The Phantom Rickshaw and other Eerie tales – Rudyard Kippling (1888)

Als Rudyard Kipling 1907 den Nobelpreis für Literatur erhielt, war er 41 Jahre alt. Damit war er nicht nur der erste Engländer, sondern auch der jüngste Nobelpreisträger bis dato. Heute kennen wir ihn meistens für sein „Dschungelbuch“. Allerdings spielen das Übernatürliche und Geister in seinen Werken eine wichtige Rolle. 

Ein Brite in Indien – „weicher“ Imperialismus

Kipling verbrachte einen Großteil seines Lebens in der Kronkolonie Indien. Das Land und seine Einwohner hatten einen großen, nicht wegzudenkenden Einfluss auf seine Geschichten. Sie sind nicht nur der „exotische“ Hintergrund für seine Stories, sondern sind verwoben mit der Handlung. Kipling schreibt oft über das Leben der einfachen Menschen in Indien und orientiert sich nicht an seinen englischen Peers.

„Wie der Panther Bagheera im „Dschungelbuch“ erkennt, dass es nicht nur eine Welt gibt, erkannte Rudyard Kipling, dass es hilfreich ist, die Brille des Mutterlandes abzulegen und die Völker des britischen Empire und ihren Ideenreichtum als Elemente einer zukünftigen besseren Welt zu sehen.“ – Michael Reitz, SWR2 Wissen

Trotzdem natürlich kann man Kipling nicht gerade einen Gegner des Imperialismus und Kolonialismus nennen, dafür ist er doch zu sehr Kind seiner Zeit. 

Geistererscheinungen und verfolgungswahn

Die Kurzgeschichtensammlung „The Phantom Rickshaw and other Eeerie Tales“ vereint insgesamt vier Geschichten, die sich vorrangig um Geistererscheinungen drehen. „The Phantom Rickshaw“ dreht sich um einen Gentleman, der vom Geist einer Liebschaft in den Wahnsinn getrieben wird. In „My own true Ghost Story“  begegnet der Erzähler endlich einem Geist.  In „The Strange Ride of Morrowbie Jukes“ findet sich der Erzähler in einer Falle wieder, die nicht nur mit Treibsand aufwartet, sondern auch mit allerlei gruseligen Gestalten. Und abgeschlossen wird die Sammlung mit der Geschichte „The Man Who Would Be King“.

Geistergeschichten in kompaktem Format

Wer jetzt erwartet, auch Geister und Gestalten der indischen Mythologie kennenzulernen, wird bitter enttäuscht werden. Die Geister dieser Stories sind meistens englisch. Kiplings Geschichten sind gut aufgebaut, aber der Gruselfaktor blieb für mich persönlich doch aus. Nur „The Strange Ride of Morrowbie Jukes“ hat mich gefesselt – dabei gibt es in dieser Story gar keinen Geist im klassischen Sinne. Insgesamt ist die Sammlung von Geistergeschichten ganz solide und gut geeignet für einen verregneten Novembersonntag.

Photo by Annie Spratt on Unsplash

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