Sheridan LeFanu – Carmilla

Unser erstes Buch im Gothic-Buchclub ist direkt ein Klassiker der Gothic Fiction: Die Vampirgeschichte „Carmilla“. Erschienen im Jahr 1872 ist Carmilla in der Tradition der Vampirgeschichten besonders bemerkenswert, nicht nur, weil sie weiblich ist.


Diese Leserunde lief vom 01.02.2021 bis zum 28.02.2021.


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Wo finde ich den Text?

Es gibt sehr viele Ausgaben aus den verschiedensten Verlagen und Jahren. Du kannst „Carmilla“ auch online lesen – auf Deutsch oder Englisch.

Die deutsche Version findest du hier.

Die englische Version findest du hier.


Über den Autor

Sheridan LeFanu war ein irischer Schriftsteller, der Wegbereiter für die Genres der Geistergeschichten auch der modernen Gothic Novel war. Zu Lebezeiten nicht außerordentlich berühmt, ist er heute durch seine Vampirgeschichte „Carmilla“ und seine Geistergeschichten, die unter dem Titel „In A Glass Darkly“ erschienen, ein Begriff. Wie Oscar Wilde war auch Sheridan LeFanu Zeit seines Lebens von Verfolgung aufgrund seiner sexuellen Präferenzen bedroht. So verwundert es nicht, dass Sexualität, oder die Unterdrückung ebenjener, ein wichtiges Thema in seinen Werken ist. Besonders trifft das für die Novelle „Carmilla“ zu.

„Carmilla“ – eine lesbische Vampirin als Vorbild für Dracula

Erstmal erschien „Carmilla“ im Magazin The Dark Blue in den Jahren 1871 und 1872. Die Story ist schnell erzählt: Die junge Laura wächst in einem abgelegenen Schloss in der Steiermark auf, Gesellschaft hat sie nur von ihren Erzieherinnen und dem eigenen Vater. Eines Tages nehmen sie die schöne Carmilla als Gast auf. Schnell entwickelt sich eine tiefe Beziehungen zwischen den beiden Frauen. Aber Carmilla ist mehr, als sie vorgibt zu sein.

Diskussionergebnisse

Im Allgemeinen waren alle sich einig, dass die Novelle zu ihrer Zeit sicher eine „schockierende“ Momente beinhaltet: die Vampirdarstellung, die homoerotische Spannung zwischen Carmilla und Laura und die Auffindesituation im Sarg. Allerdings unterscheidet sich Carmilla sonst von unseren heutigen Vorstellung von Vampiren. Sie isst und trinkt, wenn sie Lust hat, kann sich im Tageslicht bewegen und verwandelt sich in eine große, schwarze Katze.

Im Laufe der Handlung erfahren wir, dass Carmilla nur ein Anagramm ihres eigentlichen Namens ist. Sie heißt Mircalla von Karnstein. Unter dem Anagramm Millarca hat sie bereits ebenfalls ihr Unwesen getrieben mit der Tocher des General Spielsdorf. Dass die Namensgleichheit den Figuren der Novelle selbst nicht auffällt, kommt uns als Leser*innen heute absurd vor. Aber wir sind uns einig, dass sie nicht zufällig gewählt sein können, sondern einen Zweck erfüllen.

Carmilla, like her forbidden love for Laura, is at first non nominandum in the novella as characters try to make sense of her origins and her unseemly fascination with her hostess. Ultimately, however, the male characters in the text who are threatened by her male-excluding passion discover that the clues to Carmilla’s identity as well as her sexuality lie in deciphering the origin and meaning of her original name and her various anagrammatical aliases.

Amy Leal: Unnameable Desires in Le Fanu’s Carmilla

Amy Leal argumentiert so beispielsweise in ihrem Artikel, dass Carmillas Anagramme eine tiefere Bedeutung beiwohnt, die gleichzeitig auch ihre Rolle beschreiben zu der Zeit, zu der sie sie verwendet.

Auch der Ort de Geschehens – ein Schloss in der Steiermark – war noch ein Diskussionspunkt. Warum wählt ein irischer Autor, der nicht in der Steiermark beheimatet ist, nun ausgerechnet diese Region? Licht ins Dunkel brachte hier ein Rezension von Josef Kirchengast im Der Standard:

Fest steht, dass Halls Hainfeld-Chronik als Grundlage des ersten Vampirromans diente: Carmilla, verfasst von dem irischen Autor Joseph Sheridan Le Fanu, erschienen 1872.

Josef Kirchengast: Die Mutter aller Vampire – Der Standard

Links

Rezension im Seitenhain

Mehr über Joseph Sheridan LeFanu und sein Werk – „Sheridan Le Fanu’s haunting legacy“ – Irish Times

Amy Leal – Unnameable Desires in Le Fanu’s Carmilla, Syracuse University

Josef Kirchengast – Die Mutter aller Vampire – Der Standard

One thought on “Sheridan LeFanu – Carmilla

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