Evil Roots: Killer Tales of the Botanical Gothic – Daisy Butcher (Hrg.)

Allein der Name der Herausgeberin ist doch schon ein Grund, dieses Buch zur Hand zu nehmen. Daisy Butcher! Und das zu einer spannenden Anthologie zum Thema Weird Tales und Pflanzen.

Von tödlichen Lianen und menschenfressenden Orchideen

Bestellt habe ich das Buch – zusammen mit noch einigen anderen, die ich hier später vorstellen werde – direkt bei der British Library. Der Versand ist fix und die Qualität der Drucke überzeugt auch sehr. 

„Evil Roots“ gehört zu einer ganzen Reihe von Büchern, die sich mit Weird Tales beschäftigen. Jedes Werk der Reihe widmet sich dabei einem Unterthema – und diese hier eben dem Botanical Gothic. Mit Sicherheit ist das kein Genre, das mir als erstes einfallen würde, wenn ich an Gothic Tales denke. Aber umso erfreulicher ist es auch, dass es offensichtlich genug spannende Kurzgeschichten und Novellen genau zum Thema Killerpflanzen gibt.

Insgesamt finden sich in der Anthologie 14 Stories von Autorinnen und Autoren. Für jede Geschichte gibt es eine kurze Einführung mit Infos zum:zur Verfasser:in und dem Thema. Die Anordnung ist chronologisch und beginnt mit einem Star der englischen Literatur: Nathaniel Hawthorne, den wir doch auch aus dem Zusammenhang mit Hexen gut kennen. Hier aber findet sich seine Kurzgeschichte „Rappaccini’s Daughter“, die so ziemlich alle Elemente einer guten Gruselgeschichte hat: ein junger Mann, der sich in eine schöne Frau verliebt, die ein dunkles Geheimnis hat (violett, um genau zu sein).

Die gefährliche Botanik tritt in den Geschichten in allen möglichen Formen in Erscheinung: Lianen, tödliche Wälder, fleischfressende Pflanzen und nicht zuletzt auch immer wieder als Blumen. Der Zusammenhang zwischen Orchideen und Lilien und weiblicher Sexualität ist vielfach vorhanden und wird in verschiedenen Variationen ausgespielt.

Evil Roots: Killer Tales of the Botanical GothicEvil Roots: Killer Tales of the Botanical Gothic by Daisy Butcher
erschienen: August 2019, British Library Publishing

Es würde hier zu weit gehen, jede einzelne Geschichte zu bewerten, deswegen will ich nur kurz auf meine persönlichen Highlights eingehen.

M.R. James – The Ash Tree (1904)

In „The Ash Tree“ gibt es zwar nicht per se eine Killerpflanze, aber trotzdem ist die Story eine waschechte Gruselgeschichte. Die Esche, die hier nicht weit von einem Herrenhaus entfernt steht, ist der Ausgangspunkt eines Fluchs, der im Laufe der Story mehr als nur einen Menschen das Leben kosten wird. Und obwohl eigentlich schon sehr am Anfang klar ist, wohin die Reise gehen wird, ist der Stil und der Aufbau der Geschichte so klassisch gut, dass man sie nicht aus der Hand legt.

William Hope Hodgson – A voice in the Night (1906)

Auch auf dem Meer ist einiges los! Obwohl man hier sicher nicht unbedingt Killerpflanzen vermuten würde, finden sie auch hier einen Weg. Mitten in der Nacht nähert sich ein Ruderboot einem Schoner und eine körperlose Stimme erzählt von einem schrecklichen Schicksal. Der Reiz dieser Geschichte liegt vor allem in diesem Nicht-Sehen des Grauens und in der Unmittelbarkeit des Erzählerberichts. Natürlich gibt es am Ende im Licht der aufgehenden Sonne dann doch noch einen kleinen Blick auf das, was sich in der Nacht versteckt hat – ein bisschen direkter Grusel muss schließlich sein.

H. C. McNeile – The Green Death (1920)

Lobende Erwähnung, allerdings eher für den Typ der Geschichte als ihre Spannung, geht noch an „The Green Death“. Wir finden vor: Ein englisches Herrenhaus, eine Dinnerparty mit erlesenen Gästen, eine Auseinandersetzung und dann einen Toten im Raucherzimmer. Es handelt sich also hierbei um ein klassisches Whoddunit (Wer war es?), bei dem der Mörder am Ende doch nicht der Gärtner war. Bis das aber auch dem sehr rationalen Inspektor klar wird, muss erst ein Experiment stattfinden, das die Existenz einer Killerpflanze beweist.

Die Herausgeberin

Zuletzt möchte ich noch gern kurz auf die Herausgeberin zu sprechen kommen, die hier nicht nur mit einem wirklich treffenden Namen daherkommt, sondern auch mit einer Verbindung zu einem fantastischen Projekt. Daisy Butcher ist Teil von Open Graves, Open Minds, einem Projekt der University of Herfodshire, das sich spezielle mit allem beschäftigt, was kulturell unter den Begriff Gothic fällt. Insofern ist sie natürlich bestens qualifiziert, diese Anthologie zusammenzustellen. 

Insgesamt weiß man natürlich, worauf man sich einlässt, wenn man „Evil Roots“ zur Hand nimmt. Was zunächst erstmal die Spannung zu nehmen scheint, stellt sich aber gar nicht als Hindernis heraus. Dafür sind die Vielfalt der Geschichten und ihre Umsetzungen zu unterhaltsam. Natürlich gibt es auch weniger spannende Stories („Carnivorine“, „The American’s Tale“), die große Zahl der wirklich guten aber tröstet über kleine Schwächen sehr schnell hinweg.

Photo by Nicole Geri on Unsplash

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