Brother Red – Adrian Selby

Kann ich auf einem Blog, der Gothic Reads heißt, auch über Fantasyromane schreiben? Oder ist das nicht eingegrenzt genug und der oder die Eine oder Andere wird sagen: Also, das hat mit Goth gar nichts zu tun. Wahrscheinlich ist das so – ich schreibe trotzdem darüber. Nicht zuletzt, weil ein guter Fantasy-Roman wie Brother Red viel zu bieten hat.

Dunkel, dunkler, rot

Ich kannte den Autor Adrian Selby vorher nicht. Ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse. Meine einzige Erwartung war, dass es kein Young Adult ist – dieses Genre mag ich gar nicht (ich fühle mich zu alt dafür, haha). Brother Red hat mich nicht enttäuscht. Die Welt, durch die sich Hauptfigur Driwna Bridche bewegt, ist – gelinde gesagt – feindlich. Als Söldnerin begleitet sie Transporte von einer Stadt zur nächsten und wehrt Angreifer ab. Leute sterben hier schneller, als man mitkommt und jede Sympathie und Zuneigung für einen Charakter kann nicht von langer Dauer sein.

Sehr gut gefallen hat mir auch die Diversität der Charaktere und der Umgang mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Entgegen der ersten Eindrücke gibt es hier eben nicht das übliche Paar, sondern wirklich zwei Menschen, die eine tiefe Freundschaft verbindet.

Mit den Ososi und den Oskoro gibt es Wesen, halb Mensch, halb Pflanze, die geradezu außerirdisch wirken. Dieses Volk entscheidet sich früh dazu, eine Symbiose mit Pflanzen einzugehen. Sie werden Teil ihrer Körper und verleihen ihnen eine Kampfkraft jenseits der Grenzen des Menschlichen. Alle anderen müssen auf Tränke und Sporen zurückgreifen. Der Preis dafür ist hoch – Erschöpfung, Langzeitschäden, manchmal Wahnsinn. Das Gift ist überall und jede/r „is paying the colour“.

Cover des Romans Brother Red von Adrian Selby
Auch das Cover kann überzeugen. Quelle: orbitbooks.net

Game of Thrones lässt grüßen

Genau dieses Gefühl kenne ich noch von der Lektüre von Game of Thrones – immer muss man damit rechnen, dass das Ableben der geliebten Figur unmittelbar bevorsteht. Und das ist auch der Thrill bei Brother Red. Alles deutet schon früh darauf hin, dass die Handlung kein gutes Ende nehmen kann und man hofft und hofft. Ich werde hier nicht vorwegnehmen, wie es ausgeht – aber ja, es war hart.

Auch die Sprache macht die Lektüre zu einer dreckigen Angelegenheit. Brother Red spart nicht mit Kraftausdrücken und sehr direkten Beschreibungen von Gewalt und Tod. Autor Adrian Selby hat sich außerdem für seine Welt eine Menge eigener Wörter und Phrasen ausgedacht, die das Vorankommen gelegentlich erschweren. Hat man sich aber einmal eingelesen, macht es Spaß, Driwna durch ihre Welt zu folgen bis zum bitteren Ende.


Brother Red auf Goodreads
Leseprobe beim Verlag Orbit Books

Hinweis: Ich durfte dieses Buch vorab lesen auf netgalley.co.uk – im Austausch gegen eine ehrliche Rezension. Dies spiegelt nur meine eigene Meinung wider, nicht die Ansichten des Verlags oder des Autors.

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